Anzucht-Tagebuch: Erdmandeln

Die Erdmandel (Cyperus esculentus) ist hierzulande noch eher unbekannt. In Spanien wird sie auf Plantagen angebaut und zur sogenannten „Horchata de chufa“, der Erdmandelmilch, verarbeitet. Man kann sie wohl außerdem zu Mehl verarbeiten und als Allergiker-freundlichen Ersatz für Getreidemehl verwenden.

Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal Erdmandeln angebaut. Darüber könnt ihr in einem früheren Blog-Post bereits lesen. Die Keimfähigkeit hat mich nicht gerade umgehauen, von etwa 25 Mandeln sind nur ca. die Hälfte tatsächlich gekeimt. Geerntet habe ich aus den daraus entstandenen Pflanzen allerdings doch ein bisschen etwas, nämlich knapp 330 Gramm kleiner Mandeln (entspricht im getrockneten Zustand ca 130 Gramm):

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Erdmandel-Ernte nach 3 Monaten Trocknung

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Dieses Jahr baue ich sowohl gekaufte als auch selbst geerntete Erdmandeln an, mal sehen, wie die Keimfähigkeit im Vergleich aussieht. Ein erster Unterschied fällt gleich auf: Die gekauften Mandeln haben glattere Haut und weniger feine, abstehende Wurzelhärchen als die selbst geernteten. Ob das was bedeutet?

 

Aussaat-Vorbereitung

Wie bereits im genannten Post beschrieben, müssen Erdmandeln vor der Aussaat etwa 24 Stunden lang in lauwarmem Wasser aufquellen, um keimen zu können. Dazu habe ich die getrockneten und verschrumpelten Mandeln in ein verschließbares Rexglas gegeben und komplett mit Wasser bedeckt:

Nach insgesamt ca. 36 Stunden (und zwischenzeitlichem Wasserwechsel) waren die Knöllchen schließlich bereit für die Aussaat. Sowohl die gekauften als auch die selbst geernteten Mandeln legten im Wasser ordentlich an Größe zu und verloren ihre Falten.

14.4.: Aussaat

Ich entschied mich, meine Erdmandelkultur dieses Jahr von 2 auf 3 Balkonkästen auszuweiten. Um sicher zu gehen, dass in jedem Töpfchen zumindest eine Knolle aufgeht, pflanzte ich insgesamt 60 Mandeln (bunt gemischt zwischen gekauften und geernteten) in 15 kleine Töpfchen, also jeweils zu viert:

Die Pflanzerde mischte ich aus mehreren Substanzen zusammen – normale, torfreduzierte Bio-Blumenerde, Naturerde und ein wenig grobkörnigen Sand, um das Ganze aufzulockern. Das Substrat hielt ich jeden Tag gut feucht. Unter Tags stellte ich die Töpfchen bereits auf den Balkon, weil das Wetter zur Zeit wirklich sehr warm ist.

19.4.: Beginn der Keimphase

Bereits 5 Tage später zeigte sich das erste Grün in den ersten Töpfchen:

Viele weitere kleine Graskeime folgten in den weiteren Tagen, insgesamt dauert die Keimphase sehr lange und geht vermutlich jetzt immer noch weiter, denn der letzte neue Keim ist erst gestern aufgetaucht.

20190426_080525Das Verhältnis zwischen gesäten und gekeimten Knollen ist etwas besser als letztes Jahr –  es sind von den 60 gesäten Knollen bisher schon 42 aufgegangen. In einigen Töpfchen sind alle 4 gesäten Knollen aufgegangen, in anderen nur eine oder zwei oder drei. Ein einziges Töpfchen ist bisher noch komplett kahl, ich hoffe allerdings, dass dort auch noch etwas sprießt.

Bis zu den Eisheiligen ist es ja noch eine Weile hin, vielleicht brauchen manche Mandeln einfach etwas länger. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Insgesamt bin ich mit der Keimung der selbst geernteten Mandeln recht zufrieden, bei 42 Pflanzen kommen mindestens die Hälfte aus dem eigenen Saatgut, denn ich habe nur 21 gekaufte Mandeln ausgesät.

Wie geht’s weiter?

Bis Mitte Mai, wenn die Eisheiligen vorbei sind, verbringen die kleinen Gräser die warmen Tage am Balkon und die kühlen Nächte im Treppenhaus, denn Frost mögen sie nicht. Nach den Eisheiligen pflanze ich jeweils den Inhalt von drei Anzuchttöpfchen in drei Balkonkästen fürs Geländer. Den Rest der Pflänzchen bekommen Freunde und Arbeitskollegen.

Nach der finalen Auspflanzung heißt es warten und brav gießen, wobei die Erdmandeln auch mal vorübergehende Trockenheit wegstecken können. Das oberirdische Zyperngras dient den Katzen als kleiner Snack, während sich unterirdisch bis zum Spätherbst bzw. frühen Winter (November bis Dezember) die nächste Erdmandel-Generation ausbildet.

Sobald das Zyperngras braun wird und eintrocknet, wird es Zeit für die Ernte. Was dabei dieses Jahr rauskommt, erfahrt ihr, wenn es so weit ist…

 

Im Porträt: Erdmandel (Teil 1)

Die Erdmandel (Cyperus esculentus) ist eine Zyperngras-Art, die im November/Dezember zur Erntezeit kleine, ca 0,5 bis 1cm große Knollen ausbildet. Die Knollen sind essbar (roh oder getrocknet und gemahlen) und vor allem in Spanien, wo die Erdmandel angebaut wird, anscheinend recht beliebt. Wenn sie sich wohlfühlt, kann diese Pflanze sich weitläufig und von selbst (entweder durch unterirdische Ableger oder durch übriggebliebene Knollen) weit ausbreiten, deshalb ist bei uns nur die Topfhaltung empfohlen, um invasorische Ausbreitung zu verhindern.

So weit die Theorie. Was ist mit der Praxis?

Teil 1 – Anzucht

Mit der Erdmandel habe ich letztes Jahr schon etwas geliebäugelt, nachdem ich bei unserer örtlichen Gärtnerei ein Saat-Säckchen entdeckt habe. Dieses Jahr habe ich mich schließlich entschieden, sie auszuprobieren.

Die Erdmandeln waren getrocknet und eingeschrumpelt, als sie aus der Packung kamen:

Getrocknete Erdmandeln

Die trockenen Erdmandeln müssen mindestens 24 Stunden lang vor dem Einbringen in die Erde in Wasser aufquellen, um nach der Trocknung keimfähig zu werden:

Erdmandeln quellen in Wasser auf

Nach den 24 Stunden waren die kleinen Mandeln schön aufgequollen und sahen dann ein bisschen wie kleine, braune Maden aus. Sie fühlten sich natürlich nicht an wie Maden, sondern waren recht glatt, mit kleinen Haarwurzeln, die aus den Knollen rausschauent:

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Die Erdmandeln waren damit bereit, unter die Erde gebracht zu werden. Dazu habe ich in kleine Töpfe (ca 10 cm Durchmesser) jeweils drei Mandeln in etwa 4 cm Tiefe eingegraben.

Wie es damit weiterging, erfahrt ihr ein anderes Mal.

April: Alles sprießt

Da man ja am Jahresende traditionell zurückblickt, und ich außerdem meinen Blog jetzt endlich (re-)aktiviere, fange ich dieses Jahr schon etwas früher mit dem Jahresrückblick an.

Also, was hat sich im April 2018 so getan?

Anfang bis Ende März habe ich fleißig fast alle Samen unter die Erde gebracht. Im April ist die Saat gut aufgegangen. Hier ein paar Impressionen:

Oregano und Rosmarin waren heuer ein erster Versuch. Die Ringelblumen sind mein zweiter Versuch – im letzten Jahr hatte ich sie zum Kürbis gepflanzt und der hat ihnen ohne Gnade sowohl Sonne als auch Nährstoffe geklaut.

Die Samen der mexikanischen Minigurken und der Hokkaido-Kürbise ich aus der letztjährigen ersten eigenen Ernte gewonnen.

Die Tomaten (Cocktail-Tomaten, Black Cherry Cocktail-Tomaten, Andenhorn, Tigerella und rote Balkontomaten). Die Balkontomaten und roten Cocktail-Tomaten baue ich bereits zum dritten Mal aus selbst gewonnenem Saatgut an, die Black Cherry zum ersten Mal und Andenhorn- und Tigerella-Samen habe ich letztes Jahr aus geschenkten Biofrüchten herausgeholt.

Physalis bauen meine Eltern und ich schon seit über 7 Jahren an, dieses Jahr habe ich aber zum ersten Mal welche permanent auf meinen Balkon gepflanzt. Wie es denen in diesem sehr heißen Jahr ergangen ist, erfahrt ihr später.

Zu den Zinnien und Lilien habe ich mich mehr oder weniger überreden lassen, um ein paar „Farbtupfer“ am Balkon zu haben.

Im nächsten Post stelle ich euch eine eher exotische Knollenpflanze vor – die Erdmandel, über die ich mich heuer auch erstmalig drübergetraut habe.